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Ratgeber KI im Beruf

KI-Schulung online oder vor Ort: Was passt zu welchem Team?

Von Thomas Kohns, Geschäftsführer der next learning GmbH · 28. September 2026

Kurz gesagt

Für die gemeinsame Grundlage ist ein Online-Kurs meist der schnellste und günstigste Weg: kein Termin, kein Ausfall im Tagesgeschäft, jede Person lernt im eigenen Tempo. Vor Ort lohnt sich, wo das Team sehr unterschiedlich weit ist, an eigenen Abläufen üben soll oder erst Vertrauen in die Werkzeuge fassen muss. Oft passt die Mischung am besten: online die Grundlage, danach ein kurzer gemeinsamer Termin für die eigenen Fragen.

Die EU-KI-Verordnung schreibt kein Format vor. Die Bundesnetzagentur nennt in ihrem Hinweispapier ausdrücklich die ganze Bandbreite, von Selbstlernprogrammen über Workshops und Schulungen bis zu mehrstufigen Fortbildungen, intern wie extern. Die Frage ist also nicht, welches Format erlaubt ist, sondern welches zu Ihrem Team passt.

Vier Fragen helfen bei der Entscheidung.

1. Wie verteilt arbeitet Ihr Team?

Arbeiten alle am selben Ort und zu ähnlichen Zeiten, ist ein gemeinsamer Termin leicht zu finden. Sind die Beschäftigten auf Standorte, Schichten oder Homeoffice verteilt, wird jeder Termin zur Abstimmung im Kalender, und irgendwer fehlt immer. Ein Online-Kurs löst das: Jede Person lernt, wann es in den Tag passt, und niemand muss nachgeschult werden, weil er beim Termin krank war.

2. Wie unterschiedlich weit sind die Beschäftigten?

In vielen Teams geht die Erfahrung mit KI weit auseinander. Die einen nutzen die Werkzeuge täglich, die anderen haben sie noch nie geöffnet. In einem Seminarraum langweilen sich dann die einen, während die anderen nicht mitkommen. Ein Online-Kurs in kleinen Einheiten lässt jede Person im eigenen Tempo vorgehen: Wer schon Übung hat, ist schnell durch, wer neu ist, schaut ein Video zweimal.

Umgekehrt gilt: Wo die Unsicherheit groß ist oder Vorbehalte gegen KI bestehen, hilft ein Mensch im Raum, der Fragen sofort beantwortet. Das leistet ein Video nicht.

3. Soll an eigenen Abläufen geübt werden?

Eine Grundlage für alle ist überall gleich: was KI kann und was nicht, wie man Aufgaben stellt, woran man falsche Antworten erkennt, welche Daten hineindürfen. Das lässt sich gut online vermitteln. Welche Inhalte dazugehören, steht im Beitrag KI-Schulung für Mitarbeiter: Welche Inhalte gehören hinein?

Anders ist es, wenn das Team an seinen eigenen Vorlagen, Kundenanfragen oder Abläufen arbeiten soll. Dafür braucht es eine Schulung, die auf das Unternehmen zugeschnitten ist, online im Live-Termin oder vor Ort. Dort kommen die Fragen auf den Tisch, die in keinem allgemeinen Kurs vorkommen.

4. Wie viel Ausfall verträgt das Tagesgeschäft?

Ein Schulungstag vor Ort nimmt das ganze Team für einen Tag aus der Arbeit, dazu kommen Anfahrt und Raum. Ein Online-Kurs in Einheiten von wenigen Minuten verteilt sich über Tage und fällt im Tagesgeschäft kaum auf. Für kleine Unternehmen, in denen jede Person ihren festen Platz hat, ist das oft der entscheidende Punkt.

Zum Einordnen

Jonathan Bergmann und Aaron Sams machten 2012 ein Modell bekannt, das als umgedrehter Unterricht oder Flipped Classroom verbreitet ist: Die Grundlagen erarbeiten sich die Lernenden vorher allein, die gemeinsame Zeit gehört den Fragen und der Anwendung. Für KI-Schulungen im Unternehmen passt dieses Muster gut.

Die Mischung, die oft am besten passt

In vielen Unternehmen trägt eine Kombination am weitesten:

  1. Online die Grundlage. Alle arbeiten denselben Kurs durch, jede Person im eigenen Tempo. Danach meinen alle dasselbe, wenn sie über KI sprechen.
  2. Dazwischen eine echte Aufgabe. Jede Person probiert das Gelernte an einer Aufgabe aus dem eigenen Alltag aus.
  3. Ein kurzer gemeinsamer Termin. Online oder vor Ort, für das, was dabei gehakt hat. Dieser Termin wird besser, weil alle mit derselben Grundlage und mit echten Fragen kommen.

Für die Dokumentation macht das Format keinen Unterschied. Festgehalten werden Art der Maßnahme, Inhalt, Umfang, Datum und Teilnehmende, siehe KI-Kompetenz nachweisen: Was gehört in die Dokumentation?

Kurz zusammengefasst

Ihre LagePassendes Format
Team verteilt, Schichten, HomeofficeOnline-Kurs
Sehr unterschiedlicher KenntnisstandOnline-Kurs in kleinen Einheiten, bei großer Unsicherheit ergänzt durch einen Termin
Üben an eigenen Vorlagen und AbläufenSchulung nach Maß, live online oder vor Ort
Wenig Spielraum im TagesgeschäftOnline-Kurs
Grundlage für alle plus eigene FragenMischung: online, Aufgabe, gemeinsamer Termin

Häufige Fragen

Ist eine KI-Schulung per Video genauso gut wie ein Präsenzseminar?

Für die gemeinsame Grundlage ja, oft sogar besser, weil jede Person im eigenen Tempo lernt und Abschnitte wiederholen kann. Ein Präsenzseminar ist stärker, wenn an eigenen Abläufen geübt werden soll oder große Unsicherheit im Team besteht. Die Verordnung schreibt kein Format vor.

Wie schulen wir Mitarbeiter an mehreren Standorten zu KI?

Am einfachsten mit einem Online-Kurs, den alle unabhängig von Ort und Arbeitszeit durcharbeiten. Wer darüber hinaus gemeinsame Fragen klären will, ergänzt einen kurzen Live-Termin per Video.

Wie viel Arbeitszeit braucht eine Online-KI-Schulung?

Das hängt vom Kurs ab. Eine Grundlage für den Einsatz im Büro lässt sich in rund 90 Minuten vermitteln, aufgeteilt in kleine Einheiten, die sich über einige Tage verteilen. Dazu kommt Zeit für eine Aufgabe aus dem eigenen Alltag.

Wann lohnt sich eine KI-Schulung im eigenen Haus?

Wenn das Team an eigenen Vorlagen, Kundenanfragen oder Abläufen üben soll, wenn ein bestimmtes Werkzeug eingeführt wird oder wenn Vorbehalte gegen KI im Raum stehen, die sich im Gespräch besser klären lassen als am Bildschirm.

Quellen

  1. Bundesnetzagentur: Hinweispapier KI-Kompetenzen nach Artikel 4 KI-Verordnung, Juni 2025, bundesnetzagentur.de
  2. Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 4 in der Fassung vom 27.07.2026, eur-lex.europa.eu
  3. Jonathan Bergmann, Aaron Sams: Flip Your Classroom. Reach Every Student in Every Class Every Day, ISTE, 2012

Dieser Beitrag ordnet ein und gibt den Stand vom 28. September 2026 wieder. Er ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.

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